
Bestellnr. USA808
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Die eigentliche Eröffnung der ersten Strecke wurde durch ein "Rennen" Dampflok gegen Pferdegespann
werbewirksam vorbereitet. Die winzige Lokomotive "Tom Thumb" baute der New Yorker Geschäftsmann
Peter Copper als Modell, um die Eisenbahndirektoren davon zu überzeugen, dass die Dampfkraft
der Pferdekraft vorzuziehen sei. Die Lok bestand aus einem senkrecht stehenden Röhrenkessel
mit Rohren aus abgesägten Gewehrläufen und einem Zahnradantrieb. Die Zugkraft besorgte ein
durch Riemen angetriebenes Gebläse. Am 28. August 1830 koppelte Copper einen offenen Wagen
an und lud die Direktoren zur Jungfernreise ein. Hocherfreut stellten Coppers Fahrgäste fest,
wie mühelos die Maschine Tempo 25 bis 30 durchhielt. Auf der Rückfahrt fand dann ein Rennen statt:
"Tom Thumb" gegen einen Pferdewagen. Das Pferdegespann gewann mit kleinem Abstand.
Die Technik der zusammengeschusterten Lok versagte, der Riemen rutschte vom Antrieb und das
Feuer im Kessel ging aus.
Trotzdem überzeugte die Lok die Direktoren der Baltimore and Ohio.
Diese verlangten danach eine Lokomotive, welche die steil ansteigende und kurvenreiche Strecke
durch die Allegheny Mountains bewältigen konnte.
Knapp 1 Jahr später (1829) wurden die Pferde auf der Strecke Baltimore - Ellicottīs Mill
ausgemustert und durch Dampfloks ersetzt.
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Mit dem eigentlichen Streckenbau wurde 1828 begonnen. Am 1. Dezember 1831 wurde
Frederick (Maryland) erreicht, 1834 Harper's Ferry, 1835 Eröffnung der Baltimore-Washington Strecke -
im gleichen Jahr wurde des Postdienst durch die Eisenbahn aufgenommen. 1837 wurde der Bau der Brücke über
den Potomac bei
Harpers Ferry (West Virginia) beendet. 1842 erreichte das Netz Cumberland und 1853 Wheeling.
Von hier sollen die Güter, dem Ursprungsgedanken nach, dann per Schiff zum Erie-See weitertransportiert
werden. Ab 1866 begann die B & O sich weiter nach Westen auszudehnen.
Sie mietete mehrere Strecken und verlängerte somit ihr Streckennetz von Bellaire (Ohio) über
Newark (Ohio) nach Westen nach Columbus (Ohio) und nach Norden nach Sandusky (Ohio).
Von einem Punkt an dieser Strecke, Chicago Junction, baute eine Tochtergesellschaft der B&O,
die Baltimore & Ohio & Chicago, in den Jahren 1872 bis 1874 eine Strecke nach Chicago.
Wie viele andere Eisenbahnen, so wurde auch die Balimore & Ohio beinahe vollständig mit
Hilfe von Geld gebaut, das vom Staat, von den Kreisen und den Stadtbezirken kam.
Bei ihrer Gründung bewilligte der Staat Maryland eine Subskription von 500.000$ als erste Unterstützung.
Die Stadt Baltimore gab zu diesem Zeitpunkt noch einmal dieselbe Summe hinzu.
Am Anfang stellten die Unternehmer stolz in Abrede, dass sie die Absicht hätten,
irgendwelche weitere öffentliche Unterstützung zu verlangen; die Bahn würde mit privatem Kapital
gebaut werden, basta!. Doch schon im Jahre 1835 mußte der Staat Maryland weitere 3 Millionen Dollar
bereitstellen; dieselbe Summe zeichnete ein Jahr später auch die Stadt Baltimore.
Im Jahre 1838 erhielten die Unternehmer zusätzlich 1 Million Dollar von der Stadt Wheeling.
Nach diesem Geldsegen hielt man sich längere Zeit zurück, bis im Jahre 1850 der
Gemeinderat von Baltimore um weitere 5 Millionen Dollar angegangen wurde.
Allerdings wurde jetzt die Frage aufgeworfen, was mit den vielen von der Staatskasse
beigesteuerten Millionen geworden sei. Ein großer Teil war augenscheinlich zum Bau der Bahn verwandt worden,
aber es wurde doch offen die Ansicht ausgesprochen, dass die Direktoren sich durch die damals üblichen
"Arbeitsmethoden" bereichert hätten. Doch aufkommende Kritik wurde mit dem Hinweis auf die Bedeutung der
Bahn für das örtliche Geschäftsleben zum Schweigen gebracht und der Einfluss auf die gesetzgebenden
Körperschaften und die Gemeinderäte tat ein Übriges.
Von der Clique der Gründer um ihre Barmittel gebracht, geriet die Baltimore and Ohio immer mehr
in finanziellen Verfall. Trotz der großen Unterstützungen war sie 1856 praktisch illiquide.
John W. Garrett und Johns Hopkins, die schon an der Gesellschaft beteiligt waren,
kauften noch größere Mengen von Aktien, die zu diesem Zeitpunkt naturgemäß billig waren,
auf und erwarben so die Aktienmehrheit.
Und so ging es bergab:Die Millionen der für den Bau der Eisenbahn vom Staat Maryland beigesteuerten
Aktiensubskriptionen waren zum großen Teil am englischen Kapitalmarkt flüssig gemacht worden.
Die Zinsen hierfür sollten von Maryland in Gold gezahlt werden. Die Baltimore and Ohio ihrerseits,
die dem Staat die Zinsen zu erstatten hatte, erreichte aufgrund verschiedener richterlicher Entscheidungen,
dass sie die Zinsen an den Staat Maryland in beliebigem Umlaufgeld zahlen konnte. Unter den damals
zerrütteten amerikanischen Währungsverhältnissen und beim Sinken der amerikanischen Valuta bedeutete
diese Art der Bezahlung einen dauernden Verlust für den Staat Maryland, der sich im ganzen auf
400.000 Dollar belief und einen entsprechenden Gewinn der Bahngesellschaft.
Eine andere Methode, den Staat zu betrügen, bestand darin, dass man für Tochtergesellschaften
Freibriefe und Unterstützungen verlangte. Als Gegenleistung sollte ein Teil der Passagiereinkünfte
an den Staat abgeführt werden. Durch Verschiebung der Einkünfte zu anderen Gesellschaften wurde die
Finanzlage jeweils so dargestellt, dass kein Geld zur Auszahlung gelangen musste.
Auch bei der Ausschaltung von Konkurrenzunternehmen war man nicht zimperlich. So war der
Baltimore and Ohio mit der Fertigstellung des Chesapeake and Ohio-Kanals ein Konkurrent erwachsen,
der kein Monopol für den Transportdienst per Eisenbahn zuließ. Wie "Commodore" Vanderbilt in New York
den Erie-Kanal "ausschaltete", machten sich Garrett und Hopkins daran, die Aktienmehrheit an der
Kanal-Gesellschaft zu erwerben. Diese gehörte dem Staat Maryland. So begann Garrett und Hopkins die
maßgeblichen Männer des Staates zu "beeinflussen" und es gelang ihnen tatsächlich, den Kanal in ihre
Hände zu bringen. Anschließend wurden die Frachtpreise sofort erhöht.
Sowohl Garrett als auch Hopkins zogen aus ihrer Herrschaft und ihrer Behandlung der Baltimore and
Ohio-Eisenbahn große Summen. HopkinsīVermögen belief sich zum Zeitpunkt seines Todes im Jahre 1873
auf angeblich 10 Millionen Dollar; damit war er der wohlhabendste Bürger von Baltimore.
Die bleibende Bekanntheit seines Namens sicherte er sich, als er kurz vor seinem Tode etwa
4,5 Millionen Dollar zum Bau eines Hospitals am Baltimore ausgab. Mit weiteren 3,5 Millionen Dollar
wurde die "Johns-Hopkins-Universität" gegründet, die später auch anderen Millionären als
Vorbild für Stiftungen diente.
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